Strom · Wärmepumpe
Vorlauftemperatur der Wärmepumpe
Die Vorlauftemperatur ist der einzige Betriebswert, der die Arbeitszahl einer Wärmepumpe unmittelbar bestimmt — je kleiner der Temperaturhub zwischen Quelle und Heizkreis, desto mehr Wärme je Kilowattstunde Strom. Wie groß der Effekt im Feld wirklich ist, steht hier als gemessene Gegenüberstellung und nicht als Faustregel.
- JAZ unter 35 °C
- 3,7 Median, 24 Anlagen
- JAZ über 35 °C
- 3,0 Median, 21 Anlagen
- Unterschied im Wärmepreis
- 2,3 ct/kWh Wärme am Gerät
- Normkurve gegen Messung
- 5–10 K über der Norm
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das die Wärmepumpe an den Heizkreis abgibt. Sie ist kein Komfortwert, sondern der Preis der Wärme: Jedes Kelvin, das die Wärmepumpe zusätzlich überwinden muss, geht als elektrische Arbeit in den Verdichter — und senkt damit die Jahresarbeitszahl, die im Nenner jeder Kostenrechnung steht.
- Der Zusammenhang ist gemessen, nicht gerechnet. Das Fraunhofer ISE hat sein Luft/Wasser-Kollektiv an der Heizkreismitteltemperatur von 35 °C geteilt — 24 Anlagen darunter, 21 darüber, zusammen 45 der 49 ausgewerteten Anlagen. Ergebnis: Median 3,7 gegen 3,0 bei 8,2 Kelvin Abstand der Gruppenmittel.
- Hier steht keine Prozentzahl je Kelvin — für eine solche Umrechnung gibt es keine zitierfähige Quelle. Allein im Fenster zwischen 34 und 36 °C reichen die gemessenen Arbeitszahlen von 2,9 bis 4,9.
- Vorlauftemperatur ist nicht Heizkreismitteltemperatur. Zwischen beiden liegt die halbe Spreizung, im Feld rund 2,6 Kelvin.
- Die Normheizkurve ist optimistischer als die Praxis: bei 10 °C Außenluft lag die gemessene Vorlauftemperatur 5 bis 10 Kelvin über der Kurve der DIN EN 14825 (Ausgabe 2023-10).
- Heizkörper sind kein Ausschlussgrund. Laut Bericht können ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden wie Flächenheizungen.
Warum die Vorlauftemperatur die Arbeitszahl bestimmt
Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme, sie hebt sie — von der Temperatur der Quelle auf die Temperatur des Heizkreises. Die Arbeit, die sie dafür braucht, hängt an der Größe dieses Sprungs, dem Temperaturhub. Die thermodynamische Obergrenze dafür ist der Carnot-Prozess: Die bestmögliche Leistungszahl ist das Verhältnis der absoluten Senkentemperatur zur Temperaturdifferenz zwischen Senke und Quelle. In Worten: je kleiner der Hub, desto höher die Arbeitszahl — und zwar nicht linear, sondern immer steiler, je näher Quelle und Senke zusammenliegen. Wie der Kreisprozess das im Einzelnen macht, steht auf Funktionsweise der Wärmepumpe.
Dass das nicht nur Theorie ist, ist der vielleicht wichtigste Satz des Abschlussberichts: Von allen untersuchten Effizienzeinflüssen zeigte sich eine Korrelation zur Arbeitszahl ausschließlich bei den Heizkreistemperaturen. Zum Baualter des Gebäudes fand sich keine — weil in allen Baualtersklassen ähnliche Temperaturen zur Raumheizung gemessen wurden. Nicht das Baujahr entscheidet also, sondern die Temperatur, mit der gefahren wird.
Von den beiden Enden des Hubs lässt sich nur eines beeinflussen. Die Quellentemperatur ist vorgegeben: Außenluft im Januar oder Erdreich in zehn Metern Tiefe richten sich nicht nach dem Heizungsbauer. Die Senkentemperatur dagegen ist eine Einstellung — und genau deshalb ist die Vorlauftemperatur der einzige Betriebswert, an dem sich die Arbeitszahl ohne Austausch des Geräts verschieben lässt.
Eine Carnot-Zahl steht hier bewusst nicht. Der Carnot-Ausdruck liefert eine Obergrenze, die keine reale Maschine erreicht; welchen Anteil davon ein konkretes Gerät schafft, ist sein Gütegrad, und der ist bauart- und betriebspunktabhängig. Eine Carnot-Leistungszahl neben eine gemessene Jahresarbeitszahl zu stellen würde deshalb zwei unvergleichbare Zahlen nebeneinander setzen — derselbe Fehler, den diese Website bei COP und JAZ vorführt. Carnot erklärt hier die Richtung, gerechnet wird mit Messwerten.
Vorlauftemperatur ist nicht Heizkreismitteltemperatur
Diese Unterscheidung muss vor den Zahlen stehen, sonst sind sie falsch gelesen. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Wasser zur Heizfläche fließt. Die Heizkreismitteltemperatur ist der Mittelwert aus Vorlauf und Rücklauf — und das ist die Größe, über die physikalisch die Wärme abgegeben wird und nach der das Fraunhofer ISE seine Gruppen gebildet hat. Zwischen beiden liegt die halbe Spreizung. Gemessen wurde zur Raumheizung eine mittlere Spreizung von 5,1 Kelvin, mit Einzelwerten von 2,9 bis 9,1 Kelvin. Die Gruppengrenze von 35 °C Mitteltemperatur entspricht also etwa 37,6 °C Vorlauftemperatur. Dieselbe Disziplin gilt auf dieser Website bei Wassergehalt und Holzfeuchte: zwei Zahlen, dieselbe Einheit, verschiedene Bezugsgröße.
Zum Vergleich die beiden Mittelwerte desselben Kollektivs: Die mittlere Heizkreismitteltemperatur zur Raumheizung lag bei 35,6 °C (27,6 bis 47,1 °C), die mittlere Vorlauftemperatur bei 38,2 °C.
Was die Temperatur kostet — zwei gemessene Gruppen
Statt einer Faustregel steht hier eine Auswertung. Das Fraunhofer ISE hat sein Kollektiv aus Luft/Wasser-Wärmepumpen an der Heizkreismitteltemperatur von 35 °C geteilt und beide Hälften statistisch beschrieben: 24 Anlagen wurden kühler betrieben, 21 wärmer. Das ist kein Modell und keine Extrapolation, sondern ein Vergleich zweier Messgruppen — und damit die belastbarste Antwort auf die Frage, was Temperatur kostet.
Warum hier zwei Stichprobengrößen stehen
Zur selben Quelle gehören zwei Zahlen, die nicht dieselbe Aussage treffen. Die Bandbreite der Jahresarbeitszahlen auf der Hubseite stützt sich auf das ausgewertete Kollektiv von 49 Luft/Wasser-Anlagen (Anlagengruppe 1). Die Gruppenauswertung nach Temperatur in der Tabelle darunter umfasst die 45 Anlagen, die der Bericht einer der beiden Gruppen zuordnet — 24 kühler, 21 wärmer betrieben. Für die übrigen 4 ist in der Abbildung keine Gruppe ausgewiesen; einen Grund nennt der Bericht an dieser Stelle nicht, und hier wird keiner ergänzt. Wer die größere Zahl als Umfang des Gruppenvergleichs liest, vergleicht zwei verschiedene Auswertungen.
| Gruppe | JAZ Median | mittlere 50 % | Bandbreite JAZ | ct/kWh Wärme | g CO₂/kWh Wärme |
|---|---|---|---|---|---|
| Heizkreismitteltemperatur unter 35 °C 24 Anlagen · Mittel 31,8 °C (27,6–34,7 °C) | 3,7 | 3,3–4,0 | 2,9–4,9 | 10,00 | 110 |
| Heizkreismitteltemperatur über 35 °C 21 Anlagen · Mittel 40,0 °C (35,3–47,1 °C) | 3,0 | 2,8–3,4 | 2,6–4,0 | 12,33 | 135 |
Quelle beider Zeilen: Fraunhofer ISE, Abschlussbericht „WP-QS im Bestand“, Kap. 5.3.1, Abbildung 48 — Gruppenauswertung von 45 der 49 ausgewerteten Außenluft/Wasser-Wärmepumpen (Anlagengruppe 1), geteilt an der Heizkreismitteltemperatur von 35 °C; Erzeugerarbeitszahl (Bilanzgrenze 3), Stand November 2025. Der Median ist hier die Leitzahl, weil der Bericht nur für die kühler betriebene Gruppe zusätzlich einen Mittelwert nennt (3,7) — eine Gegenüberstellung braucht auf beiden Seiten dieselbe Kenngröße.
In Zahlen, die auf der Stromrechnung ankommen: Zwischen den Gruppenmitteln liegen 8,2 Kelvin Heizkreismitteltemperatur und 0,7 Punkte Arbeitszahl. Der Preis je Kilowattstunde Wärme steigt dadurch um 2,33 ct, also um 23 Prozent. Auf eine runde Bezugsmenge von 10.000 kWh Wärme gerechnet sind das 631 kWh Strom und 233 € im Jahr — bei 37,0 ct/kWh Haushaltsstrom (Stand August 2026) — sowie 256 kg CO₂-Äquivalente. Die Bezugsmenge ist absichtlich eine runde Wärmemenge und kein Gebäudemodell; den Jahresverbrauch eines konkreten Hauses rechnet der Verbrauchsrechner.
Warum hier kein Rechner „Vorlauftemperatur → JAZ“ steht
Die naheliegende Funktion für diese Seite wäre ein Feld „Vorlauftemperatur senken um X Kelvin“ mit einer geschätzten neuen Arbeitszahl darunter. Sie steht hier nicht, und das ist eine Entscheidung und kein Versehen. Für die Umrechnung von Kelvin in Arbeitszahl gibt es keine zitierfähige Quelle. Geprüft wurden vier — eine Messung, eine Faustregel und zwei Normen:
- Die Feldmessung selbst (Fraunhofer ISE, „WP-QS im Bestand“): Der Abschlussbericht formuliert den Zusammenhang ausdrücklich als Tendenz und quantifiziert ihn nicht. Er nennt im selben Abschnitt den Grund: Allein im Temperaturfenster zwischen 34 und 36 °C reichen die gemessenen Arbeitszahlen von 2,9 bis 4,9. Die Streuung ist größer als der Trend, weil mehrere Einflüsse übereinanderliegen — Normleistungszahl des Geräts, Quellentemperatur, Heizstabeinsatz, Schalthäufigkeit.
- Die Faustregel von rund 2,5 Prozent je Kelvin (ohne Fachquelle): Sie ließ sich nur auf Installateurs-, Vergleichs- und Marketingseiten belegen, in keiner Fachpublikation. Sie entsteht aus dem Carnot-Ausdruck mit einem angenommenen Gütegrad; mit einem anderen Gütegrad kommt eine andere Zahl heraus. Das ist eine Schätzung im Gewand einer Messung.
- VDI 4650 Blatt 1 (Ausgabe Februar 2024, Tabellen 13 bis 18; Blatt 1.1): Die Richtlinie hinterlegt die Abhängigkeit tatsächlich normativ — als Korrekturfaktoren für maximale Vorlauftemperaturen von 30 bis 55 °C, Blatt 1.1 ergänzt 60 °C. Diese Faktoren sind aber Gewichte für Betriebspunkte und ergeben erst zusammen mit den Normleistungszahlen des konkreten Geräts eine Zahl; eine allgemeine Prozentangabe je Kelvin folgt daraus nicht. Hinzu kommt: VDI 4650 ist ein Prognoseverfahren, das im eigenen Anwendungsbereich festhält, dass es zu Energieverbrauch und Heizkosten keine Aussage trifft. Es mit gemessenen Arbeitszahlen zu verrechnen wäre genau die Vermischung, die dieses Silo auseinanderhält.
- DIN V 18599-5, Anhang C (Ausgabe September 2018, Tabellen C.1 bis C.9): Dort stehen Standardwerte für Leistungszahlen bei 35, 45 und 55 °C Vorlauftemperatur. Das sind COP-Werte, also Prüfstandspunkte, keine Jahresarbeitszahlen — und der Abschlussbericht stellt fest, dass sie das Verhalten der vermessenen Anlagen nur teilweise abbilden.
Die Trennung, an der die beiden Normen scheitern, ist dieselbe, die die Hubseite dieses Silos durchhält: Ein Prüfstandspunkt, ein Laborjahr, eine Prognose und ein gemessenes Betriebsjahr sind vier verschiedene Zahlen und werden nie gegeneinander verrechnet.
Eine Tabelle aus Messwerten sagt weniger, als ein Rechner zu sagen scheint, und ist dafür richtig. Wer eine Arbeitszahl braucht, die die eigene Anlage beschreibt, bekommt sie nicht aus einer Formel, sondern aus zwei Zählerständen — dafür gibt es den JAZ-Rechner.
Welche Heizfläche welche Temperatur braucht
Die erforderliche Vorlauftemperatur ist keine Eigenschaft der Wärmepumpe, sondern des Gebäudes: Eine Heizfläche gibt bei gegebener Temperatur eine bestimmte Leistung ab — je größer die Fläche, desto niedriger die Temperatur für dieselbe Leistung. Deshalb wirkt eine Vergrößerung der Heizfläche auf die Arbeitszahl wie eine Dämmung auf die Heizlast, nur an der anderen Stelle der Rechnung.
Die Normbezüge dazu sind Auslegungspaare, keine Betriebswerte. VDI 4650 Blatt 1 führt drei Heizsysteme, jeweils als Vorlauf/Rücklauf bei Normaußentemperatur:
- 70/55 — Spreizung 15 Kelvin
- 55/45 — Spreizung 10 Kelvin
- 35/28 — Spreizung 7 Kelvin
VDI 4650 Blatt 1, Tabelle 29 — Vorlauftemperaturen und Temperaturdifferenzen am Abschaltpunkt, Normaußentemperatur −8 °C (Ausgabe März 2019, Ergänzungsblatt zur Normaußentemperatur −8 °C).
Welche dieser Stufen ein konkretes Haus braucht, entscheidet die raumweise Heizlastberechnung — das ist Fachplanung und steht aus gutem Grund nicht auf dieser Seite. Was hier steht, ist die Gegenprobe aus dem Feld: Was mussten die vermessenen Anlagen tatsächlich liefern?
| Wärmeübergabesystem | Heizkreismitteltemperatur | höchste gemessene Vorlauftemperatur |
|---|---|---|
| nur Flächenheizung | 32,0 °C | im Bericht nicht eindeutig zugeordnet |
| nur Heizkörper | 38,5 °C | 63,9 °C |
| kombinierte Systeme | 35,9 °C | 68,3 °C |
Der Abstand zwischen reiner Flächenheizung und reinen Heizkörpern beträgt im Feld 6,5 Kelvin — und damit sehr viel weniger, als die Auslegungspaare 35/28 und 70/55 vermuten lassen. Der Bericht benennt den Grund: Ausreichend dimensionierte Heizkörper können mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden wie Flächenheizungen. Entscheidend ist nicht die Art der Heizfläche, sondern ihre Größe im Verhältnis zur Heizlast des Raumes.
Und die Umkehrung, die seltener gesagt wird: Eine Fußbodenheizung garantiert keine hohe Arbeitszahl. Im Kollektiv verteilten sich die Anlagen mit ausschließlich Flächenheizung über nahezu die gesamte Bandbreite der Jahresarbeitszahlen. Die Heizfläche schafft die Möglichkeit niedriger Temperaturen, genutzt wird sie erst durch die Einstellung der Heizkurve.
Die Normheizkurve gegen die Praxis
Der am besten belegte Einzelbefund dieser Seite betrifft nicht die Anlagen, sondern die Norm. Die DIN EN 14825 (Ausgabe 2023-10) hinterlegt für die Bestimmung der jahreszeitbedingten Effizienz eine idealisierte Heizkurve und vier Auslegungstemperaturen (35 °C, 45 °C, 55 °C, 65 °C). Das Fraunhofer ISE hat die gemessenen Vorlauftemperaturen dagegengelegt und eine systematische Abweichung gefunden: Bei vielen Anlagen, die im Auslegungspunkt zwischen 45 und 55 °C betrieben werden, lag die Vorlauftemperatur bei 10 °C Außenlufttemperatur 5 bis 10 Kelvin höher als die entsprechende Kurve der Norm.
Dieselbe Messung in anderer Form: Bei Heizkörper- und Mischsystemen lagen die approximierten Vorlauftemperaturen bei 10 °C Außenluft zwischen 32 und 47 °C, während die Norm an dieser Stelle 34 °C ansetzt. Bei Flächenheizsystemen lagen sie bei 15 °C Außenluft zwischen 28 und 38 °C gegen 22 °C in der Norm. Der Befund ist also kein Ausreißer, sondern zieht sich durch beide Heizflächenarten.
Die Folge, die der Bericht selbst zieht. Außerhalb der Kernheizperiode wird die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe von der Norm unterschätzt — und damit ihre Effizienz überschätzt. Das trifft nicht die Anlagen, sondern den Labelwert: Der SCOP entsteht entlang eben dieser idealisierten Heizkurve. Eine Zahl vom Energielabel ist deshalb an diesem Punkt systematisch freundlicher als das, was die Anlage im Haus leistet. Für die Weiterentwicklung der Norm empfiehlt der Bericht ausdrücklich, die Heizkurve anzupassen.
Die Ursachen, die der Bericht nennt, sind alle regelungstechnisch und keine Materialfrage: ein Speicheraufschlag von einigen Kelvin zwischen der Heizkurve des Heizkreises und dem Sollwert für den Wärmepumpenkreis; eine Spreizung, die in der Praxis auch bei milder Außenluft über 5 Kelvin bleibt, während die idealisierte Kurve sie zum Fußpunkt hin zulaufen lässt; eine Rücklauftemperatur, die nicht so weit absinkt wie angenommen; die Hysterese der Regelung; Mindestlaufzeiten und die untere Leistungsgrenze des Geräts; sowie Heizkurven, deren Fußpunkt höher eingestellt ist als in einer Standardkurve vorgesehen. Bei rund der Hälfte der Anlagen mit Heizkörpern sank die Vorlauftemperatur überhaupt nicht unter 35 °C — bei einigen lag sie dauerhaft über 40 °C.
Was daraus folgt, ist keine Anleitung, sondern eine Frage an den Fachbetrieb: Welcher dieser Punkte die eigene Anlage betrifft, lässt sich nur an ihren Betriebsdaten klären. Dass es sich lohnt, danach zu fragen, zeigt die Tabelle weiter oben.
„70 Grad Vorlauftemperatur“ stellt die Frage falsch
Eine der häufigsten Fragen in diesem Thema lautet, ob eine Wärmepumpe 70 Grad Vorlauftemperatur erreicht. Viele Geräte können das, und VDI 4650 Blatt 1 führt 70/55 als reguläres Auslegungspaar — technisch ist die Frage also beantwortet, bevor sie interessant wird. Die eigentliche Frage ist eine andere: Was kostet diese Temperatur die Arbeitszahl? Denn die maximale Vorlauftemperatur ist ein Datenblattwert, die Arbeitszahl ist eine Rechnung, und nur die zweite steht auf der Stromrechnung.
Was die Feldmessung dazu hergibt: Die höchste im Kollektiv gemessene Vorlauftemperatur lag bei 68,3 °C, die niedrigste Maximaltemperatur bei 33,2 °C, im Mittel über alle Anlagen 48,6 °C. Das sind Spitzenwerte aus Minutendaten und keine Betriebspunkte: Die mittlere Vorlauftemperatur lag bei 38,2 °C. Aussagekräftiger für die Frage, ob eine Anlage dauerhaft heiß fährt, sind die maximalen Tagesmittelwerte: Sie lagen im Mittel bei 43,4 °C, mit Einzelwerten von 31,7 bis 60,0 °C — auch der schlechteste Tag der heißesten Anlage blieb also deutlich unter ihrer Minutenspitze. Die drei schwächsten Anlagen des Kollektivs, die auf 2,6 kamen, arbeiteten mit mittleren Heizkreistemperaturen von 42 bis 46 °C.
Umgekehrt zeigt dasselbe Kollektiv, dass die Frage nach der Spitzentemperatur auch nach unten in die Irre führt. Zwei Anlagen mit ausschließlich Heizkörpern und maximalen Vorlauftemperaturen von 49,9 und 53,7 °C erreichten Arbeitszahlen von 3,7 und 4,0 und lagen damit über dem Mittelwert von 3,4 für Luft/Wasser-Anlagen. Selbst die schwächste Anlage der reinen Heizkörper-Gruppe blieb bei 3,0. Eine hohe mögliche Vorlauftemperatur ist also kein Mangel — sie wird erst dann einer, wenn die Anlage sie auch benutzt.
Ein zweiter Punkt gehört dazu, weil er in der Temperaturdebatte meist fehlt: Von der erzeugten Wärme gingen im Feld 81 Prozent in die Raumheizung und 19 Prozent in die Trinkwassererwärmung — und die läuft auf einem eigenen, höheren Niveau: gemessen 47,6 °C im Mittel, mit Einzelwerten von 40,5 bis 58,5 °C. Wer nur die Heizkurve betrachtet, übersieht den Anteil, der ohnehin heiß gefahren wird.
Was diese Messreihe nicht hergibt
Diese Seite erklärt einen Zusammenhang, sie legt keine Anlage aus. Gerechnet wird, was rechenbar ist: Arbeitszahl, Preis je Kilowattstunde Wärme, CO₂. Nicht behandelt werden die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, der hydraulische Abgleich als Anleitung, die Auswahl und Dimensionierung von Heizkörpern, Anschaffungskosten, Förderung und Herstellervergleiche. Dort beginnt Fachplanung, und eine falsche Zahl trifft dort jemanden, der gerade eine Investitionsentscheidung trifft.
Auch die Stichprobe hat Grenzen, und sie gehören dazugesagt: Die ausgewerteten Gebäude sind überdurchschnittlich saniert, ein großer Teil der Anlagen wurde von beteiligten Herstellern eingebracht, und das Auswertungsjahr war mild. Die Werte beschreiben ein gut dokumentiertes Kollektiv, nicht „den deutschen Altbau“ — die vollständige Einordnung steht auf der Hubseite des Silos. Alle Arbeitszahlen hier sind außerdem Erzeugerarbeitszahlen nach Bilanzgrenze 3, also Wärme am Gerät. Wer die eigene Jahresstromrechnung treffen will, braucht die Systemarbeitszahl, und die lag im Vergleichskollektiv rund 15 Prozent niedriger.
Fazit
Die Vorlauftemperatur ist der Hebel, der ohne neues Gerät auskommt — und der einzige Betriebswert, dessen Wirkung auf die Arbeitszahl im Feld messbar ist. Belegt ist der Zusammenhang als Gruppenvergleich: Median 3,7 unter 35 °C Heizkreismitteltemperatur gegen 3,0 darüber, auf den Preis gerechnet 2,33 ct je Kilowattstunde Wärme. Nicht belegt ist eine Prozentzahl je Kelvin, und deshalb steht hier keine. Was in der eigenen Anlage tatsächlich herauskommt, entscheiden die Heizflächen, die Einstellung der Heizkurve und der Warmwasseranteil — und messen lässt es sich nur dort, mit zwei Zählern und dem JAZ-Rechner.
Häufige Fragen zur Vorlauftemperatur
Welche Vorlauftemperatur braucht eine Wärmepumpe?
Das entscheidet nicht die Wärmepumpe, sondern die Heizfläche und die Heizlast des Gebäudes. Im Feldmonitoring des Fraunhofer ISE lag die mittlere Vorlauftemperatur zur Raumheizung über alle vermessenen Luft/Wasser-Anlagen bei 38,2 °C. Die höchsten einzelnen Vorlauftemperaturen reichten von 33,2 °C bis 68,3 °C — eine Bandbreite von 35,1 Kelvin innerhalb desselben Kollektivs. Eine allgemeine Zahl gibt es deshalb nicht, und wer eine nennt, meint eine Auslegung. Die gehört zur raumweisen Heizlastberechnung und damit zum Fachbetrieb.
Wie viel besser wird die Jahresarbeitszahl pro Kelvin weniger Vorlauf?
Für diese Frage gibt es keine belastbare Quelle, und auf dieser Seite steht deshalb keine Prozentzahl je Kelvin. Die verbreitete Faustregel von rund 2,5 Prozent je Kelvin ließ sich nur auf Installateurs-, Vergleichs- und Marketingseiten finden; sie entsteht aus dem Carnot-Ausdruck mit einem angenommenen Gütegrad, und mit einem anderen Gütegrad kommt eine andere Zahl heraus. Belegbar ist stattdessen eine Messung: Das Fraunhofer ISE hat sein Kollektiv aus Luft/Wasser-Wärmepumpen an der Heizkreismitteltemperatur von 35 °C geteilt. Die 24 kühler betriebenen Anlagen erreichten einen Median von 3,7, die 21 wärmer betriebenen 3,0 — bei einem Abstand der Gruppenmittel von 8,2 Kelvin. Das ist ein Gruppenvergleich und kein Faktor: Allein im Temperaturfenster zwischen 34 und 36 °C reichen die gemessenen Arbeitszahlen von 2,9 bis 4,9, die Streuung ist also größer als der Trend.
Kann eine Wärmepumpe 70 Grad Vorlauftemperatur erreichen?
Viele Geräte können das, und genau deshalb ist es die falsche Frage. VDI 4650 Blatt 1 führt ein Heizsystem 70/55 als Auslegungspaar, es ist also ein vorgesehener Fall. Entscheidend ist nicht, ob die Wärmepumpe die Temperatur schafft, sondern was sie kostet: Je größer der Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Heizkreis, desto niedriger die Arbeitszahl, und die Arbeitszahl steht im Nenner jeder Kostenrechnung. Im Feld blieb keine Anlage dauerhaft auf einem solchen Niveau: Die höchste gemessene Vorlauftemperatur des Kollektivs lag bei 68,3 °C, und das als Spitzenwert, nicht als Betriebspunkt. Die mittlere Vorlauftemperatur lag bei 38,2 °C.
Welche Vorlauftemperatur hat eine Fußbodenheizung mit Wärmepumpe?
Bei den Anlagen mit ausschließlich Flächenheizung lag die gemessene Heizkreismitteltemperatur bei 32,0 °C, bei denen mit ausschließlich Heizkörpern bei 38,5 °C. Das ist die Mitteltemperatur aus Vor- und Rücklauf; die Vorlauftemperatur liegt bei der gemessenen mittleren Spreizung von 5,1 Kelvin etwa 2,6 Kelvin darüber. Der Abstand zwischen beiden Heizflächen beträgt im Feld also rund 6,5 Kelvin — deutlich weniger, als die Auslegungspaare 35/28 und 70/55 vermuten lassen.
Funktioniert eine Wärmepumpe mit alten Heizkörpern?
Die Feldmessung sagt: ja, wenn die Heizflächen groß genug sind. Im Kollektiv wurden ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen, und die schwächste Anlage der reinen Heizkörper-Gruppe erreichte noch eine Arbeitszahl von 3,0. Zwei Anlagen mit maximalen Vorlauftemperaturen von 49,9 und 53,7 °C kamen auf 3,7 und 4,0 und lagen damit über dem Mittel des gesamten Kollektivs. Der Bericht zieht daraus ausdrücklich den Schluss, dass ein Umbau auf Flächenheizungen nicht nötig ist. Umgekehrt gilt aber auch: Die drei schwächsten Anlagen arbeiteten mit mittleren Heizkreistemperaturen von 42 bis 46 °C und blieben bei 2,6.
Was ist der Unterschied zwischen Vorlauftemperatur und Heizkreismitteltemperatur?
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Wassers, das zur Heizfläche fließt. Die Heizkreismitteltemperatur ist der Mittelwert aus Vorlauf und Rücklauf. Zwischen beiden liegt die halbe Spreizung: Im Feld betrug die Spreizung zur Raumheizung im Mittel 5,1 Kelvin und reichte von 2,9 bis 9,1 Kelvin. Die Unterscheidung ist nicht akademisch: Die Gruppenauswertung auf dieser Seite teilt nach der Mitteltemperatur, nicht nach der Vorlauftemperatur. Wer die Grenze von 35 °C als Vorlauftemperatur liest, verschiebt sie um etwa 2,6 Kelvin.
Ist die Heizkurve meiner Wärmepumpe richtig eingestellt?
Das kann diese Seite nicht beantworten, aber sie kann sagen, wo im Feld am häufigsten Luft nach unten war. Das Fraunhofer ISE hat die gemessenen Heizkurven gegen die idealisierte Kurve der DIN EN 14825 (Ausgabe 2023-10) gelegt. Ergebnis: Bei vielen Anlagen, die im Auslegungspunkt zwischen 45 und 55 °C Vorlauftemperatur betrieben werden, lag die Vorlauftemperatur bei 10 °C Außenluft 5 bis 10 Kelvin höher als die Normkurve. Bei rund der Hälfte der Anlagen mit Heizkörpern sank die Vorlauftemperatur überhaupt nicht unter 35 °C. Als Ursachen nennt der Bericht unter anderem Speicheraufschläge der Hersteller, Hysterese, eine in der Praxis größere Spreizung als in der idealisierten Kurve und zu hoch gesetzte Fußpunkte. Was davon auf eine einzelne Anlage zutrifft, klärt ein Fachbetrieb anhand der Betriebsdaten.